Gastlosen – Oberbergpass

Der Oberbergpass an den Gastlosen ist für mich einer der schönsten Plätze im Berner Oberland (wenn man sie grosszügigerweise noch zum BEO und nicht zu den Freiburger Alpen zählen darf). Ich weiss, es gibt wahrscheinlich bessere Plätze, sowohl zum Klettern als auch von der Aussicht, aber irgendwie hab ich am Oberbergpass die Ruhe weg, und wenn man der Esoterik Glauben schenken würde, gibt’s dort oben so einen „Ort der Kraft“.

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Gastlosen Nord

Die Gastlosen als Felsriegel liegen auf knapp 2000 M.ü.M und die gesamte Nordflanke ist an heissen Sommertagen prädestiniert, um der heissen Suppe und dem Trubel des Unterlandes zu entkommen. Der Oberbergpass gefällt mir vielleicht auch deswegen, weil ich mit den Routen nie gross kämpfen musste, wie das eigentlich bei jedem Kletterprojekt mal der Fall ist. Klar sind mir Züge schwer gefallen, ich bin knapp gefallen, hab einige Tage investieren und projektieren müssen, aber eigentlich hat ich nach jedem Tag das Gefühl, dass ich einen Schritt weiter gekommen bin.

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Torture Physique (8c)

Abgesehen davon hat’s natürlich ne Menge Spass gemacht die Tage mit Freunden am Oberbergpass zu verbringen. Zwei schwere Routen sind mir gelungen, nämlich der Klassiker „Torture Physique“ (8c) im Sommer 2007, und „La psychose“ (8c) die ich im Jahr darauf erstbegehen konnte. Letztere Route hat Daniel Rebetez eingebohrt, was auf 40 Meter Länge eine Heidenarbeit ist! Umso erstaunlicher, dass er  mir uneigennützig angeboten hat die Route gemeinsam zu probieren. 

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Oberbergpass

An der Stelle meine grossen Respekt und Dank für die Einstellung! Von mir selber könnte ich nicht behaupten, nach einer solch aufwändigen Erschliesserarbeit anderen Kletterern den Vortritt lassen zu wollen. In Anbetracht der super Linie die Daniel erschlossen hat zeugt das von Uneigennützigkeit, die mir (wie gesagt) in solchen Fällen leider abgeht.

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Torture Physique (8c)

Torture physique ähnelt etwas einer Frankenjura- Route mit einem knackigen Boulder und anschliessendem „Drannbleiben“, deshalb ist sie mir vielleicht auch ganz gut gelegen. La Psychose ist mir hingegen gar nicht entgegengekommen – das Ding ist einfach zu ausdauernd und will nicht aufhören. Umso schöner ist‘s, wenn man nach dem überhängenden Loch- Marathon, den zahlreichen Schüttelpositionen und komplizierten Ausstiegs- Moves den Umlenker clippen kann und wieder auf den Boden der Tatsachen abgelassen wird.