In diesem Sommer war, ausgenommen von ein paar Tagen, fliegerisch wenig zu holen, besonders in den Nordalpen. Mit Nicco und Adi war am Freitag vorm geplanten Urlaubsantritt daher Rätselraten am Bildschirm: Wohin geht die Reise? Düne – zu wenig West bzw. zu viel Nordwest. Südalpen – ab Mittwoch schifft’s auch da, Mittelmeerinsel – für eine Woche bisschen weit weg. Da der bevorstehende Tiefdruck-Bollen auch Norditalien durchputzen sollte, haben wir uns für die Flucht nach Süden Richtung Mittelitalien entschieden:

Castelluccio in Umbrien ist nicht gerad als Streckenfluggebiet bekannt, aber taucht immer wieder als thermiksichere Urlaubsdestination auf. Also nichts wie hin und die 850 km in Nico’s Camper abgespult (besten Dank an Mutti).

Ich hatte den Spot irgendwie als Thermik und XC Fluggebiet à la Bassano erwartet, stattdessen hat uns ein hochgelegener Soaring- Kessel mit viel Wind plus Thermik begrüsst („staubige Badewanne mit viel Wind“). Mag auch daran liegen, dass wir im Hochsommer da waren und dazu eine eher windige Grosswetterlage für zusätzlich Action gesorgt hat.

Das Hochplateau ist landschaftlich und flugtechnisch top, der höchste Soaring-Berg (Monte Vettore) gipfelt auf 2500 MüM. Geflogen wird vormittags und nachmittags bis spät in den Abend hinein, zur thermischen Hauptzeit sollte man zumindest im August besser seinen Mittagsschlaf halten. Da pumpt im Kessel fette Thermik und unterstützt den Hauptwind der zu den Pässen strömt.

Kammnah liegen dann über 60km/h drin und selbst die Deltakollegen machen Siesta. Fliegen würd’s wahrscheinlich schon, aber die Aussicht bei der Landung von einem durchziehenden Dusty verputzt zu werden hat uns nicht gerad begeistert.

Am Abend ist dafür Soaren Deluxe angesagt und das Cruisen im laminaren Aufwind am Westhang des Vettore ist was vom Allerfeinsten. Von der Fläche bis zum Grat steigt es über 1000 Höhenmeter sicher und konstant, selbst beim Rausfliegen über das Piano Grande schlägt das Vario weiter an.

Landen kann schwierig sein, nicht weil’s turbulent wär, sondern weil’s nach dem Runterspiralen fünf Meter über’m Landefeld wieder hoch geht. Wir hatten insgesamt coole Flüge und Adi und Nicco haben die seltene Erfahrung des Aufsoarens im Luv der Wolke gemacht.

Blöd nur hat’s den ganzen Topf unbemerkt hinter den Grat versetzt, wo bei 50 km/h der Lee-Rotor gelauert hat. Die Jungs haben’s dann noch rechtzeitig gemerkt und sind im Vollgas mit 3 – 4 km/h Vorwärtsfahrt während 20 Minuten rausgekrochen, Respekt!
