Eigentlich sah alles so gut aus für den alljährlichen Dolo- Trip im Herbst. Wir standen motiviert in den Startlöchern, das obligatorische Hoch mit leichter Nordlage schien sich einzustellen, und 9 Piloten freuten sich schon auf Basishöhen über 3000 MüM und weite Streckenflüge im Fassatal.

Aber dann kam aber alles anders, und das Flieger-Hoch verpuffte zwei Tage vor Abreise in einem Mix aus Nordföhn, Höhentief, Feuchtigkeit und unsicheren Flugverhältnissen. Was tun, wenn der Schirm im 2015 noch nicht genug Gassi geführt wurde? Kurzerhand wurde umdisponiert, und wir haben uns für einen Easy-Jet Ausflug in das südspanische Streckenflugmekka Algodonales nördlich von Malaga entschieden.

Vorab gesagt, es hat sich gelohnt! Eingeklemmt zwischen Atlantikküste im Westen und Mittelmeerküste im Südosten liegt das spanische Dörfchen an einem Tafelberg, der Starts in fast alle Windrichtungen ermöglicht. Es hat zwar keine Highspeed- Gondelbahn à la Col Rodella, und man muss sich entweder selber organisieren oder mit einem der Para- Shuttles zu den Startplätzen fahren, dafür sind eindrückliche Streckenflüge über trockene Hügellandschaften und spanisches Flachland möglich.

Der Tagesverlauf orientiert sich am Wettergeschehen: Aufgestanden wird spät, weil auch der Thermikmotor bei gleicher Zeitzone später angeworfen wird (wohl weil weiter westlich als CH). Danach wird auf dem Dorf-Plaza gediegen gefrühstückt, es folgt eine überladenen Fahrt mit 6 Leuten und Schirmen zum Startplatz, wo man zwischen 12 und 13 Uhr startklar für edle Flugstunden bis Sonnenuntergang sein sollte. Wir hatten an fünf Flugtagen super Bedingungen, wobei drei davon erste Sahne waren.

Unglaublich, aber an einem Tag sind wir anhaltend und weit über der 3000m Marke geflogen, was beim spanischen Flachland (ca. 300 MüM) schon eine ordentliche Portion Luft unterm Gurtzeug ist. Phil hat sich sogar mal auf 3700 MüM geschraubt, da sieht die Welt schon klein aus…

Bei einer Flugmannschaft von 6 Schweizern (feat. Lukas) und unterschiedlichen Streckenzielen im Kopf, war das amüsanteste fast die Routenwahl: Zu der hat grösstenteils weder am Startplatz noch in der Luft Einigkeit geherrscht („whatever happens in Ronda – stays in Ronda“…). Letztendlich gab es aber für alle Protagonisten tägliche Streckenflüge zwischen 5 – 7 Stunden und über 100 km Dreiecke. Schön war auch, dass ich mein Ziel, während eines Fluges einen Blick auf beide Meere zu erhaschen (Atlantik im Westen und Mittelmeer im Südosten), erreichen konnte.

Es blieb aber beim Erhaschen aus weiter Ferne – Seebrise lässt grüssen. Ebenfalls gab es für Alle ungewollte Absaufer in der spanischen Pampa mit Bekanntschaft von Flora (Dornengestrüpp) und Fauna (Geier, Hunde, Ziegen, zum Glück kaum wilden Stiere). Dank Upload der Flüge im OLC (siehe z. B. Nicco’s 110 km FAI Dreieck ) und einer grossen Gleitschirmgemeinschaft in Algodonales, waren wir im Dorf bald als die „Schweizer- 100er- Truppe“ bekannt.

Das hat am letzten Tag dazu geführt, dass wir zusammen mit den Locals und frisch erhaltenen Fly-Algo T-Shirts vor der Kamera posieren durften.

FAZIT: Danke Algodonales für das super Host & Fly, we’ll be back!